Ein bisschen fühlt es sich an wie ein Klassentreffen. Die Bläserklasse der Oberschule Triebischtal spielt als Einstand „Happy“. Es gibt Schnittchen, Kaffee und Saft aus Sektgläsern zum Anstoßen. Als Gast ist an diesem Vormittag Andreas Otto aus dem nur einen Katzensprung entfernten Kaufland gekommen. Es ist für ihn sozusagen ein Heimspiel. Er ging selbst auf die Oberschule. Ebenso sein Kollege Erik Schnark, der aktuell die rechte Hand des Warenbereichsleiters der Abteilung Frische im Kaufland Triebischtal ist. Der Besuch der beiden Kaufleute dient nicht der Pflege von Sentimentalitäten. Die Schule und der örtliche Supermarkt wollen künftig noch enger als bisher zusammenarbeiten. Ein entsprechender Leitfaden soll dazu unterzeichnet werden.

Zentral verantwortlich für dieses Projekt zeichnet Christoph Merschhemke vom Institut Unternehmen und Schule aus Bonn. Er managt für viele der rund 670 Filialen der Kauflandkette die örtlichen Partnerschaften mit Schulen. „Perspektivisch möchten wir erreichen, dass möglichst an jedem Standort eine solche Kooperation besteht“, sagt er.

Sachsen gehe hier mit sehr gutem Beispiel voran und sei in dem Programm überdurchschnittlich präsent. Mit Wirtschaft-Technik-Haushalt gebe es an den Oberschulen im Freistaat ein eigenes Fach, in welchem sich solche Partnerschaften verorten und verwirklichen ließen. Mit den Praxisberatern an den Schulen habe das Land ein besonders effektives Instrument geschaffen, um Schüler möglichst individuell auf den Einstieg in das Berufsleben vorzubereiten. Speziell in einigen westlichen Bundesländern werden Merschhemke zufolge von vielen Lehrern die Bereiche Bildung und Wirtschaft gern getrennt gesehen und demnach behandelt. Das Lob sollte über den Nutzen für Kaufland nicht hinwegtäuschen. Die zusammen mit dem Discounter Lidl zur Schwarz-Guppe zählenden Supermärkte leiden wie viele Branchen auch unter einem Mangel an Bewerbern. In den Oberschülern im Triebischtal sieht Marktleiter Otto genau die richtige Zielgruppe, um Nachwuchs zu gewinnen.

Allerdings wird dieses Ziel nicht einseitig und vordergründig verfolgt. Die Zusammenarbeit umfasst ein ganzes Bündel von Möglichkeiten. „Das reicht vom Bewerbungstraining, über Informationen zu einem gesunden Frühstück bis dazu, den Jugendlichen das gesamte Spektrum der im Handel bestehenden Möglichkeiten vorzustellen“, sagt die Leiterin der Oberschule im Triebischtal Steffi Wenzel. Es gehe darum, dass die Schüler für sich selbst eine Tendenz fänden, wo es nach der zehnten Klasse einmal hingehen solle. Es sei auch schon geholfen, wenn sich bei einem Praktikum herausstellt, dass die Richtung gerade nicht passe. So ließen sich die hohen Abbrecherquoten in der Lehre senken.

Schülersprecherin Isabella Keßner aus der neunten Klassenstufe sieht ihre Schule in Sachen Berufsvorbereitung sehr gut aufgestellt. „Ich habe den Eindruck gewonnen, das läuft bei uns besser als an manchen Gymnasien.“ Sie habe sich selbst in diesem Prozess sehr unterstützt gefühlt. Berufsmessen, Praxistage und eine ganz auf die Bedürfnisse des Einzelnen zugeschnittene Hilfe durch den Praxisberater Michael Tanger hätten wesentlich dazu beigetragen. Ihr eigener Berufswunsch lautet OP-Schwester.

Quelle: SZ vom 05.02.2020